Krankheitsbilder

  1. Hüftgelenksdysplasie (HD)
  2. Cauda Equina Kompressions-Syndrom

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Die Hüftdysplasie ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund. Dabei ist das Hüftgelenk nicht optimal geformt: Der Oberschenkelkopf passt nicht richtig in die Hüftpfanne.
Diese Fehlbildung führt zu Instabilität im Gelenk, was langfristig Knorpelschäden, Entzündungen und schmerzhafte Arthrosen begünstigen kann.

Besonders betroffen sind mittelgroße bis große Hunderassen wie Deutscher Schäferhund, Labrador, Golden Retriever oder Rottweiler – aber auch Mittelgroße und kleine Rassen können erkranken, z.B. Bulldoggen.

Ursachen für HD

HD ist multifaktoriell, das bedeutet: Es gibt mehrere Ursachen, die zusammenwirken können.

  • 🧬 Genetische Veranlagung: HD ist häufig erblich bedingt.
  • 🦴 Wachstumsstörungen: Zu schnelles Wachstum in der Welpenzeit belastet die Gelenke.
  • ⚖️ Übergewicht: Zu hohes Körpergewicht steigert den Druck auf die Hüfte.
  • 🏃‍♂️ Falsche Belastung: Übermäßige oder einseitige Bewegung im Junghundealter kann das Risiko erhöhen.
  • 🥘 Fehlerhafte Ernährung: Ein Überangebot an Kalorien oder Mineralstoffen kann das Wachstum der Knochen beeinflussen.

Symptome

Die Anzeichen für HD können sehr unterschiedlich sein und sich je nach Alter und Krankheitsstadium verändern. Häufige Symptome sind:

  • 🐾 Steifer oder watschelnder Gang („Schaukelgang“)
  • 🐕‍🦺 Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen
  • 🐕‍🦺 Lahmheit nach Belastung oder Spiel
  • 😔 Weniger Freude an Bewegung, Treppensteigen oder Springen
  • 🦴 Muskulatur an der Hinterhand baut ab (Muskelatrophie)

Oft zeigen junge Hunde vorerst nur eine leichte Bewegungsunlust, während ältere Hunde durch Arthrose stärkere Schmerzen entwickeln.


Diagnose

Ein erster Hinweis ergibt sich aus dem Gangbild und der Tastuntersuchung beim Tierarzt oder Tierphysiotherapeuten.
Für eine sichere Diagnose wird in der Regel ein Röntgenbild der Hüfte erstellt – häufig unter leichter Sedierung, um die Gelenke korrekt zu positionieren.


Behandlungsmöglichkeiten

HD ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich gezielt lindern und das Fortschreiten der Arthrose kann verlangsamt werden.

Konservative Therapie

Diese Maßnahmen eignen sich vor allem bei leichten bis mittleren Fällen:

  • 💊 Schmerz- und Entzündungshemmer (vom Tierarzt verordnet)
  • 🐾 Physiotherapie: gezielter Muskelaufbau und Beweglichkeitstraining
  • 🏊‍♂️ Wassergymnastik / Unterwasserlaufband
  • ⚖️ Gewichtsreduktion: jedes Kilo weniger entlastet die Hüfte
  • 🛏️ Orthopädisches Hundebett und rutschfeste Böden

Chirurgische Eingriffe

In schweren Fällen kann eine Operation sinnvoll sein, z. B.:

  • Juvenile Pubic Symphysiodesis (JPS) bei jungen Hunden
  • Femurkopf-Resektionsarthroplastik (FHO)
  • Totalendoprothese (künstliches Hüftgelenk)

Wie kann Physiotherapie helfen?

Als Tierphysiotherapeutin unterstütze ich Hunde mit HD durch:

  • 🐾 Individuell abgestimmte Trainingspläne für Muskelaufbau
  • 👐 Manuelle Therapie zur Schmerzlinderung und Mobilisation
  • gelenkschonende Bewegungstherapie
  • 💆‍♂️ Massage und Wärmetherapie zur Entspannung der Muskulatur
  • 🏡 Alltagstipps für zuhause (z. B. gezieltes Treppentraining, Bodenanpassungen)

Ziel ist es, die Beweglichkeit zu verbessern, Schmerzen zu reduzieren und deinem Hund ein aktives, glückliches Leben zu ermöglichen.


Fazit

Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um Hunden mit HD ein schmerzarmes und bewegliches Leben zu ermöglichen.
Die Kombination aus Tierarzt, Physiotherapie, passender Bewegung und richtiger Ernährung ist der Schlüssel zu mehr Lebensqualität.

Cauda Equina Kompressions-Syndrom

Das Cauda Equina Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen bei Hunden – vor allem bei großen und älteren Tieren.

🧠 Was ist das Cauda Equina Syndrom

Beim Cauda-Equina-Syndrom kommt es zu einer Einengung (Kompression) der Nervenwurzeln im hinteren Bereich der Wirbelsäule – dort, wo das Rückenmark endet.
Diese Region liegt zwischen dem 6. Lendenwirbel (L6) und dem Kreuzbein (Sakrum). Die betroffenen Nerven steuern unter anderem die Hintergliedmaßen, Rute und Blasen-/Darmfunktion.

Wird dieser Bereich dauerhaft gereizt oder zusammengedrückt, entstehen starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und in fortgeschrittenen Fällen sogar Lähmungen.

🐴 Woher kommt der Name „Cauda Equina“?

Der Name stammt aus dem Lateinischen:
„Cauda Equina“ bedeutet „Pferdeschwanz“.
Am Ende des Rückenmarks verzweigen sich die Nervenwurzeln fächerförmig – ähnlich den Haaren eines Pferdeschwanzes.
Diese Struktur ist empfindlich und reagiert empfindlich auf Druck oder Engstellen, wie sie bei dieser Erkrankung entstehen.

⚠️ Welche Hunde sind besonders Gefährdet?

Das Cauda-Equina-Syndrom tritt überdurchschnittlich häufig bei großen Hunderassen auf. Besonders betroffen sind:

  • Deutscher Schäferhund
  • Boxer
  • Dobermann
  • Rottweiler und ähnliche Rassen

Auch Mischlinge großer Rassen können betroffen sein.
Meist zeigen sich erste Anzeichen ab dem mittleren bis höheren Alter, da die Lendenwirbelsäule über Jahre stark belastet wird.

👀 Symptome – Woran erkenne ich das Cauda Equina Syndrom?

Die Erkrankung entwickelt sich oft schleichend über Wochen oder Monate.
Anfangs werden die Symptome häufig mit Arthrose verwechselt.

Frühe Warnzeichen:

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Hinlegen
  • Schmerzreaktion beim Anheben der Rute
  • Wackeliger oder unsicherer Gang
  • Lahmheit einer Hintergliedmaße
  • Zittern oder Muskelzuckungen in den Hinterbeinen

Fortgeschrittene Symptome

  • Lähmung oder schlaffe Rute
  • Muskelabbau der Hinterhand
  • Inkontinenz (Harn oder Kot)
  • Teilweise Lähmung einer Hintergliedmaße
  • Verminderter Analreflex

Spätestens bei diesen Anzeichen sollte unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden.

🔍 Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Klinische Untersuchung: Schmerztests, Bewegungsanalyse und Reflexprüfung
  2. Röntgen: Erste Einschätzung der Knochenveränderungen
  3. CT oder MRT: Exakte Darstellung der betroffenen Nerven und Wirbelstrukturen

Nur bildgebende Verfahren zeigen das tatsächliche Ausmaß der Kompression und ermöglichen eine gezielte Therapieentscheidung.

💊 Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Schweregrad der Symptome gibt es zwei Therapieansätze:

🩹 Konservative Behandlung:

  • Schmerz- und Entzündungshemmung
  • Strikte Ruhigstellung für mehrere Wochen
  • Physiotherapie zur Muskelentspannung und Stabilisierung der Wirbelsäule
  • Wärmebehandlungen, TENS oder Magnetfeldtherapie zur Schmerzlinderung

Diese Therapie kann bei frühzeitiger Diagnose sehr erfolgreich sein.

🔧 Operative Behandlung:

Bei fortgeschrittenen Fällen oder beginnenden Nervenschäden wird meist eine Operation (z. B. dorsale Laminektomie) durchgeführt.
Dabei werden die betroffenen Nerven entlastet oder der Bereich stabilisiert.
Anschließend folgt eine mehrwöchige Rehabilitationsphase mit Physiotherapie und kontrolliertem Muskelaufbau.


🏡 Prognose und Alltag

Die Heilungschancen hängen stark von der Früherkennung und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab.
Viele Hunde können mit der richtigen Therapie wieder schmerzfrei laufen und Lebensfreude zurückgewinnen.

👉 Wichtig:

  • Bewegung immer kontrolliert steigern
  • Rutschfeste Böden und angepasste Liegeplätze
  • Keine Sprünge oder Treppensteigen
  • Nach Operationen: konsequente Nachsorge, um Rückfälle zu vermeiden

Bei ausgeprägter Inkontinenz oder Lähmungen ist die Prognose leider zurückhaltend.